Am 14.03.1955 übernimmt Werner Weichhold (geb. 22.09.1912 in Berlin-Steglitz, Approbation 1937 Dresden, bisher Stadt-Apotheke in Weil), verheiratet, drei Kinder als erster Pächter unter Michler die Wiesental-Apotheke. Und schon kommt es zu Problemen: bei der Visitation am 16.08.1955 werden die Lagerung von homöopathischen und allopathischen Arzneimitteln im Labor bemängelt. Weichhold ist sich der Problematik bewußt, denn das Problem stammt noch vom Vorgänger. Der Pharmazierat vermerkt: "in verschiedenen Punkten komme er nicht mit ihm (Anm: Michler) zu keiner Einigung und es werde ihm unter Umständen schließlich nur noch der Prozeßweg übrig bleiben.". Ein schlechter Start nach knapp fünf Monaten. Das Problem löst sich nicht: am 19.07.56 bittet Weichhold beim Amt um Dienstzeitbescheinigungen, da er sich um die Burg-Apotheke in Freiburg-Zähringen und Konzessionen in Rastatt und Villingen beworben habe.

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Werner Weichhold (Bild: Joachim Weichhold)

Er stellt aber neues Personal ein:
am 01.07.57 Ursula Glowalzki (geb. 09.07.37 in Osterode/Ostpreußen), vorher Engel-Apotheke Lindau; zur gleichen Zeit den Apotheker Joachim Mandel (geb. 22.07.15 in Kalscher/Oberschlesien).
Die Helferin Marlies Merlini aus Steinen (geb. 10.09.1935) wird am 01.10.57 eingestellt. Sie geht am 31.12.57.

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Das Zeugnis von Marliese Merlini (Bild: Gerhard Schaum)

Der Sohn von Werner Weichhold, Joachim Weichhold, der später selbst als Apotheker eine Apotheke in Villingen betreiben wird, erinnert sich noch an die Wohnung im Salmen direkt über den Apothekenräumen. Offenbar gab es, wie damals in allen größeren Gasthäusern üblich, einen großen Ballsaal, der wohl noch als Veranstaltungsraum genutzt wurde. Allerdings nicht mehr für Tanz und Unterhaltung, sondern für eine Kirchengemeinde, die dort oben ihre Gottesdienste, direkt Tür an Tür mit der Apothekersfamilie, abhielt.

Auch Weichhold packt seine Koffer: er entschwindet am 06.11.57 in Richtung Bickentor-Apotheke Villingen (geschlossen gegen 1998), um dort Inhaber zu werden. Georg Norin, der ehemalige Pächter der Stadt-Apotheke in Weil, vertritt so lange, bis die nächste Pächterin da ist. Weichhold nimmt seine Angestellten Glowalzki und Mandel gleich mit in die neue Apotheke nach Villingen. Als Angestellte bleibt Erika Abele weiterhin als Helferin.

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Die Apotheke im Salmen zu Zeiten von Werner Weichhold (Foto: Joachim Weichhold)

Als am 01.01.1958 Erna Hartlieb (geb. 22.05.1916 in Dresden, Approbation im Oktober 1950 in Berlin) aus der Bahnhof-Apotheke in Lörrach (dort vom 01.10.1957 bis 31.12.57) übernimmt, klagt Hartlieb bei der Revision im Februar, daß Weichhold die Apotheke in unordentlichem Zustand überlassen habe.
Auch sie findet nicht das Glück in der Apotheke. Am 11.11.58 schreibt das Gesundheitsamt an das Regierungspräsidium, Hartlieb "klagt bei uns über die Mißstände in ihrer Apotheke". Am 04.02.1959 findet eine Visitation statt. Das Urteil ist vernichtend: Waagen und Gewichte sind nicht nachgeeicht, im Warenlager herrscht Chaos, Literatur fehlt (der "Hager", ein großes Nachschlagewerk, stammt von 1918), es gibt keine Feuerlöscher. Hartlieb selbst hat immer noch keinen Pachtvertrag. Die Zustände rütteln den Verpächter, Wilchelm Michler auf, der eigentlich für das Inventar zuständig ist. Er scheint erkrankt zu sein und hält sich zu diesem Zeitpunkt bei seinem Sohn Hans in der Leonhards-Apotheke in München-Pasing auf. Trotzdem dauert es bis zum 08.03.1961, bis sämtliche Mängel beseitigt sind.
Zu lange für Erna Hartlieb: Sie verläßt die Apotheke zum Ende des Jahres 1961 zusammen mit der von Ihr am 01.04.59 eingestellten Helferin Roswitha Muser aus Hägelberg (geb. 23.03.1945), um die Rhein-Apotheke in Rheinfelden zu eröffnen. Einen Teil der von ihr angeschafften Geräte nimmt sie gleich mit.

Am 27.11.1961 kommt es zur Übernahme zur Pacht durch Wolfgang Preuß, geboren am 24.04.1926 in Ortelsburg (Ostpreußen) (Vorprüfung am 25.09.1947 in Halle/Saale, Staatsprüfung 25.06.1961 in Freiburg, Approbation am 30.09.1961 in Stuttgart). Er kommt aus der Kloster-Apotheke St. Märgen, ist verheiratet (Ilse Preuß, geb. am 08.07.1922 Wippra/Südharz) und hat ein Kind.

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Wolfgang Preuss (Bild: Heidrun Strübe)

Mit Preuß kehrt für eine gewisse Zeit Ruhe ein. Die Visitation vom 19.03.62 erfolgt ohne Beanstandung. Er stellt als Helferin Ursula Jehle (geb. 21.12.41 Niederhof/Südbaden) aus der Apotheke St. Blasien ein. Sie bleibt vom 01.01.1962 bis 14.04.1964. Am 06.04.1962 wir Heidrun Lang (geb. am 09.06.1947 in Hägelberg) als Azubi eingestellt. Sie wird am 03.08.1964 als fertige Helferin übernommen und der Apotheke in Steinen noch lange erhalten bleiben.
Wolfgang Preuss konsolidiert die Apotheke. Zahlreiche Studenten und Praktikanten kommen und gehen, darunter vom 13.03.1964 bis 17.04.1964 ein gewisser Karl-Heinz Kleine, "stud. pharm.", also Pharmaziestudent im 5. Semester in Freiburg. Er kehrt nach Steinen als Kandidat vom 07.05.1965 bis 03.11.1965 zurück.

Aber die Zeit geht nicht ungeschehen vorbei: die Visitation vom 17.02.1964 bemängelt bei leichter Beanstandung und mit unverkennbarem Unterton, daß die Räume zu klein zum Betrieb der Apotheke und die Apotheke selbst von außen nicht erkennbar sei. Auch Preuss schmiedet Pläne. Zusammen mit dem Bäckermeister Meyer plant er den Bau von neuen Apothekenräumen.

Dieses Vorhaben wird 1966 realisiert. Preuß vollzieht den Super-GAU für die Wiesental-Apotheke: in direkter Nachbarschaft eröffnet Preuß die Häfnet-Apotheke. Er bekommt dafür die Erlaubnis-Urkunde am 07.11.1966 (s. Artikel unten).

Für Wilhelm Michler bricht die Welt zusammen. Da er von der Pacht abhängig ist, versucht der alte Herr seine Apotheke zu retten und selbst weiterzubetreiben. Am 23.01.1967 beginnt im Gesundheitsamt die Diskussion, ob der 83jährige überhaupt noch gesundheitlich dazu in der Lage ist. Er muß zum Amtsarzt, der das am 06.02.1967 ablehnt. Für Wilhelm Michler wird alles zu viel. Nach Aussagen seines Sohnes bricht er mit einem Herzinfarkt zusammen und verstirbt am 14.04.1967. Sein Sohn Dr. Karl Michler, Zahnarzt in Todtnau, unterrichtet die Behörden, daß die Apotheke geschlossen wird. Wilhelm Michler wird in Steinen beerdigt, das Grab wurde mittlerweile allerdings aufgelöst.

Der Visitator berichtet am 17.10.1967, daß an der verschlossenen Apotheke das Schild "wegen Todesfall geschlossen" immer noch hänge.

Der letzte Bericht stammt vom 02. Januar 1968 vom Landratsamt Lörrach:
"Die Räume der Wiesental-Apotheke, Steinen, wurden am 06.12.1967 durch das Regierungspräsidium besichtigt. Es wurde festgestellt, daß dort keine Arzneimittel, Gifte oder Betäubungsmittel mehr lagern. Wir geben hiervon Kenntnis und betrachten die Angelegenheit als erledigt. Gez. Bergmann, Oberregierungsrat".

Somit endet die Geschichte der „Wiesental-Apotheke“ in Steinen 1967. Die dicke Akte mit ihren über 300 Seiten wird geschlossen und wandert ins Archiv.